"Two Months, 15 Days"

... sagt John aus dem Südsudan. Zwei Monate und 15 Tage ist er jetzt bei uns in Hittfeld, in dem Asylbewerberheim, dass in 25 Jahren schon viele Menschen hat kommen und gehen sehen. Zuerst die vietnamesischen Vertragsarbeiter, die aus den zusammengebrochenen Ostblock-Bruderstaaten kamen. Dann wohnten hier die Menschen, die aus dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien geflohen waren. Nun sind es junge Männer aus dem Südsudan, Afghanistan, Syrien, Marokko und dem Irak.


Gestern war nun Tag der offenen Tür mit fremdländischem Essen, deutschem Kuchen und Kaffee, mit deutscher Blasmusik und afghanischem HipHop.
Erwartet wurden etwa 200 Mitbürger, es kamen dann um die 400. Neben geradebrechten Gesprächen in diversen verschiedenen Sprachen mit den Asylsuchenden redeten sich die Initiatoren und Organisatoren Gerrit, Mike und Rüdiger den ganzen Nachmittag "den Mund fusselig".
Rüdiger, Mike und Gerrit
Gerrit, der Motor der Hittfelder Flüchtlingshilfe, zeigte den Besuchern die Quartiere, Mike warb Paten und Rüdiger vom ADFC berichtete über die Tätigkeiten der Mitglieder seines Clubs, die geschenkte Alträder für die Flüchtlinge aufarbeiten und ihnen diese für einen kleinen Betrag verkaufen.

Der Nachmittag war für viele Menschen eine Erholung nach dem Abend, an dem die Kreisverwaltung in einer Bürgerversammlung die Pläne für eines neues Heim in Fleestedt vorstellten. Ich habe mit einer Anwohnerin gesprochen, die einfach gegangen war, weil ihr der Nachbar so auf die Nerven ging mit dem Spruch "er würde das Elend nicht sehen wollen"... Da würde sie lieber mit den Jungs eine Runde Mensch ärgere Dich nicht spielen wollen.


Zurück zu John und zu Rabeh und Amed
John hat auf seinem Marsch nach Libyen und übers Mittelmeer seinen Anzug gerettet, der ihn gestern zumindest für mich zu einem bunten Farbtupfer im herbstlichen Funktionsjacken-Einheitsbeigeblau machte.


Amed ist eigentlich Automechaniker und erst seit ganz kurzer Zeit nach einem Monat Friedland hierher eingeteilt.
Sie lernen Deutsch, wollen irgendwann ein normales Leben führen. Wenn dies in ihren Heimatländern nicht funktioniert, dann eben hier. Sie sind kein "Elend", sondern normale junge Männer, fröhlich, unternehmungslustig, nachdenklich, traurig und hoffnungsvoll.
Kurzbiografie einiger Flüchtlinge
Und hier werden sie zumindest von einem Großteil der Mitbürger mit Engagement und liebevoller Fürsorge aufgenommen.
Unsere Bürgermeisterin

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